Es ist Wahlkampf und unsere lieben Politiker drehen mal wieder unverschämt am Rad der Logik. So behauptet der werte Herr von und zu Guttenberg doch allen ernstes mit dem Stoppschild für Kinderpornographie mindest 300 000 wahrscheinlicher aber bis zu 450 000 Zugriffe verhindern zu können.
Als beleg führt er die vagen 50 000 Zugriffsverhinderungen aus Schweden an. Wie er von dieser Zahl auf die von ihm genannte kommt ist mir allerdings schleierhaft. Ich tippe aber mal auf schlecht geraten.
Hätte der gute Mann nämlich mal nur kurz das allmächtige Internet bemüht wäre er wohl auf in etwa solche Daten gestoßen:
Schweden:
Einwohner: 9.256.347
Internetanschlüsse: 6.020.000
Internetanschlüsse pro 1000 Einwohner: 671,25
=> ca. 67 % der Schweden haben Internet.
Deutschland:
Einwohner: 82.099.232
Internetanschlüsse: 39.000.000
Internetanschlüsse pro 1000 Einwohner: 473,16
=> ca. 47 % der Deutschen haben Internet.
Gehen wir als einfach mal davon aus das Schweden und Deutsche gleich Pädophil sind. Damit sollten wir also eine direkte Korrelation zwischen Internetanschlüssen und Zugriffsversuchen auf Seiten mit kinderpornographischem Inhalt haben.
Es sollten also, da wir in Deutschland ca. 6 mal so viele Internetanschlüsse wie in Schweden haben auch ca. 6 mal so viele Zugriffsversuche erfolgen.
Wir bekommen also im besten Fall 300.000 Zugriffsversuche. Solange wir natürlich nicht unterstellen wollen das die Deutschen mehr Kinderpornographie konsumieren als Schweden.
Allerdings gibt es noch ein weiteres Problem mit diesen Zahlen. Die 50.000 Zugriffsversuche aus Schweden. Diese Zahl entspringt keineswegs einer Studie oder einer statistischen Auswertung von was auch immer. Im schlechtesten Fall ist das ein Zahl die sich irgend eine Schwedische Behörde ausgedacht hat im besten der Hitcounter der schwedischen Stoppschild Seite.
Da die schwedische Regierung genau wie unsere die ganze Sache so ziemlich hinter verschlossenen Türen handhabt weiß man eigentlich so gut wie gar nichts über den Erfolg der Maßnahmen. Sicher die schwedische Regierung ist vom Erfolg überzeugt, aber würden wir uns nicht eher wunder wenn dem nicht so wäre?
Zusätzlich zu den eher vagen Angaben aus Schweden kommt noch hinzu dass das Projekt nicht sonderlich zuverlässig arbeitet. So kann man aus dieser Zahl keineswegs ersehen von wo her die Aufrufe umgeleitet wurden. Schließlich hat man durchaus schon von Fällen gehört in denen wegen einer einzigen betroffenen Subdomain die ganze Domain umgeleitet wurde. Es kann also gut sein das wenn ein populäres Portal betroffen ist gleich mal 20.000 – 30.000 Hits auf die Stoppschildseite kommen.
Zu guter letzt sei noch gesagt, das Guttenberg zwar eingeräumt hat das technisch versierte Nutzer die Sperre umgehen könnten aber dem werten Herren scheint nicht klar zu sein wie einfach das ist. Man muss eine Umgehung schließlich nur ein einzige mal einrichten. In größeren Netzwerken kann das sogar zentral geschehen.
Da man die Umgehung nur einmal einrichten muss kann es also auch ein technisch Versierter für viel andere tun. Und man wird sich wohl nicht der Illusion hingeben die kommerziellen Kinderpornoanbieter würden sowas nicht als keine extra Dienstleistung anbieten.
Nur um noch einmal zu verdeutlichen wie einfach eine Umgehung ist: DNS Zensur umgehen in Windows Vista
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Quellen:
Bevölkerungszahlen: Wikipedia
Internetanschlüsse: http://www.europa.s-cool.org/